Wittekind-Kaserne
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Luftlandebrigade 27 · Iserlohn → Wildeshausen · 1971–2001

LLMrs
Kp 270

Luftlandemörserkompanie 270

Die „Artillerie des kleinen Mannes" — das selbstständige Steilfeuerelement der Luftlandebrigade 27. Aufgestellt 1971 in Iserlohn, über 15 Jahre in der Wittekind-Kaserne aktiv und 2001 in die schweren Kompanien der Fallschirmjägerbataillone rückgegliedert.

1971

Aufstellung (Iserlohn)

1985

Nach WH verlegt

120 mm

Mörserkaliber

2001

Rückgliederung

01

Auftrag & Operative Rolle

Die LLMrsKp 270 war das unverzichtbare Steilfeuerelement der Luftlandebrigade 27. Ihr Kernauftrag war die Bereitstellung von schnellem, steilwinkligem indirektem Feuer zur unmittelbaren taktischen Unterstützung der vordersten Infanteriekompanien — gegen verdeckte Ziele, feindliche Stellungen und Truppenansammlungen hinter Deckungen.

Da klassische Luftlandeverbände aufgrund von Gewichtsbeschränkungen beim Lufttransport keine schwere Rohrartillerie mitführen konnten, fungierten die 120-mm-Mörser der LLMrsKp 270 als „Artillerie des kleinen Mannes" — das einzige organische indirekte Feuer der Brigade.

Die Kompanie war spezialisiert auf raschen Stellungswechsel im Gefecht und hocheffektives Wirken mit Spreng-, Nebel- und Beleuchtungsmunition. Sie stellte Personal für die Krisenreaktionskräfte (KRK) im Rahmen der MND-C bereit und war ein tragendes Element aller Großmanöver der Luftlandebrigade 27 — von Gefechtsübungen mit scharfem Schuss auf Truppenübungsplätzen wie Bergen und Munster bis zur multinationalen Übung Certain Shield 91.

02

Geschichte

1. November 1971

Aufstellung der selbstständigen Mörserkompanie der Luftlandebrigade 27 aus Personal der 5./FschJgBtl 291 in der Winkelmann-Kaserne in Iserlohn.

1971–1985

Stationierung in Iserlohn. Die Kompanie dient als Steilfeuerelement der Luftlandebrigade 27 und trainiert auf den großen Truppenübungsplätzen der Bundeswehr.

1985

Verlegung nach Wildeshausen in die Wittekind-Kaserne im Rahmen eines Standortaustauschs für die 4./FschJgBtl 271. Die Kompanie wird integraler Bestandteil der Wildeshausener Garnison.

1988

Die letzten KRAKAs verlassen die Kompanie. Umrüstung auf den geländegängigen Lkw 0,5 t gl „Wolf" als neues Zugfahrzeug für die schweren Mörsersysteme.

1991

Teilnahme an der multinationalen Großübung Certain Shield 91 als Teil der Luftlandebrigade 27 unter dem I. Korps — eine der größten multinationalen Übungen der NATO in den 1990er Jahren.

1996

Wehrdienstzeugnisse und interne Dokumente der Truppe belegen den vollen, aktiven Dienstbetrieb der Kompanie unter winterlichen Bedingungen im Kompanietrupp am Standort Wildeshausen.

29. Januar 2001

Im Zuge der Bundeswehrreform und Neuausrichtung des Heeres wird die geplante Auflösung der selbstständigen Luftlandemörserkompanien bekanntgegeben.

Oktober 2001

Offizielle Außerdienststellung als eigenständige Kompanie. Die Mörserzüge werden zugweise in die 5. (schweren) Kompanien der Fallschirmjägerbataillone (u.a. FschJgBtl 313 und FschJgBtl 272) rückgegliedert. Die Steilfeuer-Fähigkeit geht damit organisch in die Bataillone über.

03

Gliederung

STAN (Sollstärke- und Ausrüstungsnachweis)

KompanieführungstruppFührung
Kompaniechef (Hauptmann/Major), Kompaniefeldwebel, Versorgungsdienst. Verantwortlich für Führung, Ausbildung und logistischen Betrieb der gesamten Kompanie.
Schwere Mörserzüge (120 mm)Feuer
Mehrere Mörserzüge mit gezogenen 120-mm-Mörsern. Die Züge operierten mit vorgeschobenen Beobachtern und Feuerleitpersonal für präzises indirektes Feuer mit Spreng-, Nebel- und Beleuchtungsmunition. Zugfahrzeuge: zunächst KRAKA, ab 1988 Wolf-Geländewagen.
Feldkanonentrupps (FK 20 mm)Schutz
Integrierte Feldkanonentrupps mit 20-mm-Feldkanonen zur Fliegerabwehr und zum unmittelbaren Erdschutz der Mörserstellungen gegen leicht gepanzerte Bodenziele.

Die Kompanie war teilaktiv: im Frieden ein aktiver Kader für Ausbildung, Führung und Gerätewartung — im Verteidigungsfall geplanter personeller Aufwuchs durch Einzug von Reservisten auf volle Kriegsstärke.

04

Ausrüstung & Waffensysteme

Die Hauptbewaffnung bestand aus gezogenen 120-mm-Mörsern, ergänzt durch 20-mm-Feldkanonen. Als Transportfahrzeuge dienten bis 1988 die leichten Kraftkarren (KRAKA), danach der geländegängige Wolf. Genaue Stückzahlen sind in den zugänglichen Archiven nicht überliefert.

Schwerer Mörser 120 mm

Steilfeuer · Hauptwaffensystem

Kaliber120 mm
Reichweiteca. 6 km (je nach Munition)
MunitionsartenSpreng, Nebel, Beleuchtung
ZugfahrzeugKRAKA → Wolf (ab 1988)

Feldkanone FK 20 mm

Fliegerabwehr & Erdschutz

Kaliber20 mm
ZieleHubschrauber, leicht gepanzerte Fahrzeuge
Aufgabeunmittelbarer Nahbereichsschutz
EinsatzFeldkanonentrupps in der Kompanie

KRAKA / Wolf

Transportfahrzeuge

KRAKAFaun Kraftkarren, extrem leicht, luftverladbar
WolfMercedes G-Klasse, geländegängig, ab 1988
AufgabeZugfahrzeug, Munitionstransport
WechselKRAKA → Wolf ab Ende der 1980er
270

Das Erbe

Die „Artillerie des
kleinen Mannes"

Im Oktober 2001 wurden die verbleibenden selbstständigen Luftlandemörserkompanien der Bundeswehr aufgelöst. Die Mörserzüge der LLMrsKp 270 wurden zugweise direkt in die 5. (schweren) Kompanien der jeweiligen Fallschirmjägerbataillone rückgegliedert — darunter das FschJgBtl 313 und das FschJgBtl 272. Damit ging die Steilfeuer-Fähigkeit organisch in die Bataillone über und prägte deren Struktur bis weit in die 2000er Jahre. Das Prinzip der luftbeweglichen Mörserfeuerunterstützung lebt bis heute in den schweren Kompanien des Fallschirmjägerregiments 31 in Seedorf fort.

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Wildeshausen272.de · Historische DokumentationLLBrig 27 · 1971–2001